Dalit

Dalit

Auf meiner ersten Reise nach Indien landete ich auf dem Flughafen von Chennai, dem früheren Madras. Sobald man aus der Halle des Flughafens tritt, betritt man ein Märchen. Wehende Palmen haben seit Jahrhunderten auf mich gewartet. Ich fühle mich sofort zu Hause. Der Anblick von Männern und Frauen in exotischer Kleidung berührt mich tief. Die Düfte und Farben – das lässt mich nicht mehr los.

Ich besuchte diese Stadt mit ihren monumentalen Orten wie Mount Thomas – dem Ort, an dem der Apostel Thomas in neutestamentlicher Zeit das Evangelium von Jesus gebracht hat – und den Slums, die sich in alle Richtungen entlang großer und kleiner Verkehrsadern zu erstrecken scheinen. Außerhalb der Stadt hielten wir in einem Dörfchen an, um die Atmosphäre aufzusaugen. Teenpalli hieß es, übersetzt bedeutet das ‚Honigdorf‘. Wie kann ein so süßer Name so viel Elend ertragen? Die Menschen wohnen hier, als wären die schlecht gebauten Hütten vom Himmel gefallen. Kreuz und quer neben einem unbefestigten Weg voller Schlaglöcher. Jetzt ist es trocken, aber man kann sich vorstellen, dass es in der Regenzeit, zweimal im Jahr, eine einzige Schlammwüste ist.

Wir begegnen freundlichen, einfachen Menschen, deren Frauen prachtvolle, farbenfrohe Saris tragen. Wer gewaschen ist und saubere Kleidung tragen kann, sieht strahlend aus. Doch wir sehen auch andere Menschen, die am Rande dessen zu stehen scheinen, was menschlich ist: entstellt, ungewaschen, in Lumpen, krank, Leprakranke, verwirrt und völlig orientierungslos. Jeder geht seiner Wege, und man kümmert sich nicht um den anderen. Man ist gleichgültig gegenüber seinem Nächsten, der nach dem hinduistischen Kastensystem ein anderes Karma oder Schicksal hat. Totale Gleichgültigkeit neben warmen und liebevollen Familienbeziehungen. Es ist herzzerreißend, wenn wir der untersten Kaste der hinduistischen Lebensweise begegnen: den Dalits. Wer in dieses System hineingeboren wird, hat keine Rechte; sein Los ist geringer als das von Ungeziefer. Man ist verdammt, die schmutzige Arbeit in der Gesellschaft zu erledigen. Dalits haben kein Recht auf Bildung, Gesundheitsversorgung, Chancen auf dem Arbeitsmarkt, staatlichen Schutz. Zugang zu einer Bank oder Versicherung kann man ganz vergessen. Man sitzt in einem Teufelskreis aussichtsloser Hoffnungslosigkeit. Überall herrscht Scham darüber, wer man als Dalit ist. Man ist nichts!

Mit diesen Holzskulpturen möchte ich auf die Situation der Dalits aufmerksam machen. Im Entstehungsprozess bin ich von wertlosen Materialien ausgegangen, die in unserer Gesellschaft zum Sperrmüll gestellt werden: Palettenholz und Schrott. Hoffentlich sehen Sie die Schönheit durch die Vergänglichkeit hindurch. Jemand schrieb in einem Kommentar: „Ganz besonders, dieses Werk – je länger ich hinsehe, desto mehr sehe ich. Schön…“

Gott liebt die Menschen. Menschen mit großen Problemen brauchen auch große Lösungen. Sind Sie es, der die Lösung bringt oder möglich macht?

Ich habe dieses Kunstwerk der International Justice Mission geschenkt. http://www.ijm.org

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